Kommunikation in der schönen neuen Welt

||Kommunikation in der schönen neuen Welt

Kommunikation in der schönen neuen Welt

Kommunikation in der schönen neuen Welt


Eine der positiven Errungenschaften der Digitalisierung ist die Einfachheit, mit der wir heute miteinander in Kontakt treten können. Es gibt Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und Twitter und eine Vielzahl verschiedener Instant-Messaging-Dienste.

Die Anfänge

Wollte man früher (also ab Ende der 90er) mittels Kurznachricht miteinander kommunizieren, wurden vom Mobiltelefon aus von Rufnummer zu Rufnummer Textnachrichten oder SMS verschickt. Die Anzahl der Zeichen pro SMS war auf 160 limitiert. Das war wohl auch besser so. Denn wer sich erinnern kann, wie mühsam das Tippen der Nachrichten auf der Handytastatur war, versteht was ich meine. Der Versand von Bildern mittels MMS wurde mit der Einführung des Mobilfunkstandards GPRS ab 2001 möglich. Hier lag die Limitierung pro Nachricht bei 300 KB, man konnte also in der Regel nur ein Bild pro Nachricht verschicken und froh sein, wenn die Nachricht tatsächlich rausging und der Empfänger ebenfalls ein Handy mit MMS-Funktionalität besaß. Günstig war der Versand von SMS und MMS jedenfalls nicht, es wurde pro Nachricht abgerechnet – vor Einführung von SMS-Flatrates und Messaging-Diensten war das für manch einen ein sehr teures Vergnügen. ICQ war der führende Dienst, wenn es darum ging, Chat-Nachrichten von Computer zu Computer zu versenden. Hierzu benötigte man eine ICQ ID, die aus einer Zahlenfolge bestand und die in einen Nickname umgewandelt werden konnte. Auch Videoanrufe gibt es schon relativ lange – 2003 wurden z.B. der Dienst „Skype“ gegründet und mit seiner Hilfe konnten Videotelefonate initiiert und von Computer zu Computer geführt werden.

Die Entwicklung

Der Ausbau der mobilen Netze und die stetige Weiterentwicklung von mobilen Endgeräten und Betriebssystemen bereiteten den Weg für die Verschmelzung der unterschiedlichen Kommunikationssysteme: 2009 wurde z.B. WhatsApp gegründet, ein Instant-Messaging-Dienst, mit dessen Hilfe Kurznachrichten, Bilder und Filme an einen oder mehrere Empfänger verschickt werden können. WhatsApp ermöglicht außerdem sowohl Telefonie als auch Videotelefonie. Der Dienst kann vom Computer aus und mit mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets gleichermaßen genutzt werden.

Der Marktführer

„WhatsApp“ ist heute der führenden Instant-Messaging-Service und aus dem Leben von Millionen von Menschen nicht mehr wegzudenken. Jeder hat es, jeder nutzt es. Den Eindruck habe ich jedenfalls. Da gibt es z.B. Fußballfans, die WhatsApp-Gruppen bilden, um sich vor dem Spiel zu verabreden, Tickets zu verkaufen oder während des Spiels gemachte Bilder und Videos zu teilen. Es existieren Elterngruppen, die sich mittels des Dienstes über die Kita oder Schulklasse ihrer Kinder organisieren und austauschen. Bilder der Enkel werden an die Oma verschickt, Kollegen tauschen Informationen aus und Jugendliche nutzen den Dienst zu jeder Tages- und Nachtzeit, um mit ihren Freunden in Verbindung zu bleiben.

Das Schöne an WhatsApp ist, dass es sehr einfach zu bedienen ist und quasi nichts kostet. Ein Datenvolumen hat ja mittlerweile jeder in seinem Handy-Tarif. Und ist die App erst heruntergeladen und installiert, kann‘s losgehen.

Eine Variante von WhatsApp, die ich persönlich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist die Kommunikation via Sprachnachricht. Dabei wird das Smartphone nicht selten wie ein Mikrofon vors Gesicht anstatt ans Ohr gehalten. Gerne werden derartige Nachrichten an öffentlichen Plätzen, etwa einer Einkaufszone, oder in Bus, Bahn und Co. produziert. So kommt es, dass alle, die sich in unmittelbarer Nähe des WhatsApp-Sprachnachrichtenversenders aufhalten, mitbekommen, was er so mitzuteilen hat.

Ein Erlebnis

Neulich in der U-Bahn wurde ich Zeugin eines solchen Verhaltens. Eine Dame, vielleicht Mitte 30, nennen wir sie einfach mal Daniela, war mit ihrer Tochter unterwegs. Daniela redet sich ihren Kummer von der Seele, über die „unmögliche“ Lehrerin ihrer Tochter und deren Probleme in der Schule. Die Versetzung des Kindes sei gefährdet, sagt die Lehrerin und Daniela ist wütend und zweifelt an, dass ihr Kind den Anforderungen der Schule tatsächlich nicht genügt.

Nach Absetzen der Nachricht wartet Daniela einen Augenblick – ah, jetzt hat ihre Gesprächspartnerin, nennen wir diese vielleicht einmal Jessica, ihrerseits eine Antwort verfasst, die Daniela nun – in voller Lautstärke über den Lautsprecher – abhört. Nein, das geht aber wirklich nicht, meint Jessica, das kann man sich nicht bieten lassen! Bei ihrem Sohn Lukas habe es auch immer Ärger gegeben, Gott ist sie froh, dass der jetzt auf einer anderen Schule ist. Oft sei das Problem ja die Lehrkraft selbst und nicht das Kind. Was denken sich die Lehrer denn eigentlich?! Daniela muss auf jeden Fall dagegen angehen! Derart bestätigt in ihrer Meinung formuliert Daniela eine neue Antwort, dabei geht sie in der U-Bahn auf und ab. Sie redet sich dabei richtig in Rage und berichtet von einem Treffen, welches sie vereinbaren will, um der Lehrkraft auch mal persönlich zu sagen, was sie von der ganzen Sache hält. Ihr Kind ist keinesfalls zu dumm, um versetzt zu werden! Höchstens gelangweilt und unterfordert! Sie will wissen, ob Jessica einen Termin in der Schule für eine gute Idee hält.

Bei der ganzen Herumlauferei rennt sie fast ihre Tochter über den Haufen, – genervt zieht sie das Mädchen beiseite. Der Tochter sind die Aktionen ihrer Mutter sichtlich peinlich, verschämt blickt sie zu Boden. Mir tut das Kind echt leid, Eltern sind ja eigentlich immer irgendwie peinlich, aber das hier ist schon eine Situation zum Fremdschämen. Mittlerweile ist auch der ganze U-Bahn Wagon über die Schulprobleme der Kleinen informiert – gespannt warten wir alle auf die Reaktion von Jessica. Die lässt leider etwas auf sich warten. Wir werden nervös. Was ist los bei Jessica? Warum antwortet sie nicht? Wie findet sie die Idee der persönlichen Konfrontation? Hat sie vielleicht einen besseren Vorschlag?

Leider meldet sich Jessica nicht mehr, bevor ich aussteigen muss, denn die Bahn ist an meiner Haltestelle angekommen.

Moderne Kommunikation?

Ist das moderne Kommunikation? Zwei Menschen halten abwechselnd einen Monolog? Warum macht man das? Aus Bequemlichkeit? Aus Angst vor Zurückweisungen und Verletzung? Und warum bindet man sein gesamtes Umfeld in die „Kommunikation“ ein – unbeteiligte Menschen werden ja de facto zwangsbeschallt. Befindet sich der WhatsApp-Sprachnachrichtenversender in einem persönlichen Kommunikationsuniversum? Vielleicht erfordert die WhatsApp-Nachricht die gesamte Konzentration, so dass alles andere ausgeblendet wird? Oder ist es diesen Menschen einfach egal, wer da mithören kann? Und muss ich mich als Voyeur fühlen? Ich habe immerhin, genau wie auch der restliche U-Bahn-Wagon, interessiert zugehört und hätte sehr gerne erfahren, wie die Sache geendet ist.

Ob Daniela tatsächlich das persönliche Gespräch mit der Lehrerin ihrer Tochter gesucht hat, ist mir nicht bekannt. Ich frage mich auch, wie ein solches Gespräch wohl ausgesehen haben mag – ich werde es leider nie erfahren. Vielleicht hat sie der Lehrerin ja einfach eine WhatsApp-Sprachnachricht geschickt….

Unsere Produktmanagerin Patricia arbeitet seit 2 Jahren bei der ahd. Sie hat einen Magister in den Fächern Anglistik, Amerikanistik und BWL. Sie beschäftigt sich mit Produkten und Lösungen rund um die Themen Managed Services, Cloud und Digitalisierung.

2018-09-19T14:29:26+00:0019. September 2018|ahd Kolumne|

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