Agilität zählt zu den wichtigsten Managementthemen der kommenden Jahre. Aus gutem Grund: Agile Unternehmen können sich leichter verändern und die wachsende Komplexität der Arbeitswelt besser meistern. In diesem Beitrag lesen Sie, was Agilität für deutsche Unternehmen bedeutet und wie die Transformation gelingt.

Schön, dass Sie hier sind! Wie Ihnen vielleicht schon aufgefallen ist, verwenden wir aus Gründen der Lesbarkeit in erster Linie die männliche Form in unseren Texten. Im Sinne der Gleichbehandlung meinen wir damit selbstverständlich immer alle Geschlechter (m/w/d). Und jetzt wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Definition: Was ist ein agiles Unternehmen?

Um zu erklären, was ein agiles Unternehmen ist, bietet sich ein Vergleich mit der Schifffahrt an: Ein traditionelles Großunternehmen ähnelt einem Supertanker. Es hat ein lange im Voraus feststehendes Ziel und kann nur sehr langsam die Richtung ändern. Die Mannschaft gehorcht den Befehlen des Kapitäns. Dagegen gleicht ein agiles Unternehmen einem wendigen Segelschiff. Ein fähiges Team passt fortlaufend den Kurs an, sobald die Wetterbedingungen das erforderlich machen.

Die Praxis der Agilität entstammt der IT-Branche, wo Softwareprojekte immer komplexer werden. Das klassische Projektmanagement stößt hier an seine Grenzen: Ein hierarchisch organisiertes Entwicklungsteam und ein linearer Projektablauf in kaskadierenden Phasen („Wasserfallmodell“) setzen einen vollständigen Überblick über das Gesamtprojekt voraus. In der heutigen Wirtschafts- und Technologiewelt ist dieser Überblick oftmals nicht möglich, weil nicht alle Informationen bekannt sind und Veränderungen rasch eintreten können. Agile Methoden tragen diesem Umstand Rechnung, indem sie kurze, schnell anpassbare Planungsintervalle bevorzugen.

Agile Unternehmen zeichnen sich durch fünf Kernmerkmale aus:

  1. Konsequente Kundenorientierung
  2. Agile Führung
  3. Flexible Arbeitsmethoden
  4. Kontinuierliche Verbesserung
  5. Vertrauensvolle Arbeitskultur

Konsequente Kundenorientierung

Im agilen Unternehmen wird die Wertschöpfung vom Kunden her gedacht: Der Wert eines Produktes definiert sich über dessen Nutzen für den Anwender. Der Kunde wird deshalb aktiv in die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen einbezogen. Bereits im frühen Entwicklungsstadium wird sein Feedback eingeholt, um optimal auf seine Bedürfnisse eingehen zu können.

Agile Führung

Agile Teams entfalten ihre Stärke dann am besten, wenn sie eine klare strategische Zielsetzung vor Augen haben und autonom handeln können. Die wichtigste Aufgabe einer agilen Führungskraft ist es deshalb, den inhaltlichen Rahmen abzustecken, innerhalb dessen sich die Mitarbeitenden frei bewegen können.

Flexible Arbeitsmethoden

Es gibt eine Vielzahl erprobter agiler Werkzeuge und Vorgehensweisen, um die Zusammenarbeit zu strukturieren, Kundenbedürfnisse zu erfassen und komplexe Rahmenbedingungen zu bewältigen. Dazu gleich mehr.

Kontinuierliche Verbesserung

Agile Teams überprüfen in kurzen Abständen ihren Status und Fortschritt. Das betrifft einerseits das Feedback von Kunden und Stakeholdern zum erarbeiteten Produkt, andererseits die Zusammenarbeit im Team.

Vertrauensvolle Arbeitskultur

Agile Unternehmen pflegen eine Arbeitskultur, die von Vertrauen, Respekt und Transparenz geprägt ist. Die hohe Autonomie der Teams setzt bei jedem Einzelnen eine hohe Klarheit über die eigene Rolle voraus. Die Zusammenarbeit gründet auf der Überzeugung, dass jeder Mitarbeitende immer in bester Absicht handelt und stets sein Bestes gibt. New-Work-Konzepte und Remote Work werden erfolgreich eingesetzt.

Diese fünf Kernmerkmale zeichnen agile Unternehmen aus

Welche Methoden zum Einsatz kommen

Agiles Arbeiten kennt viele Methoden. Nachstehend stellen wir Ihnen die wichtigsten kurz vor.

Scrum Philosophie: Schrittweise Entwicklung mit schnellen Zwischenergebnissen anhand einer formulierten Vision. Es gibt drei Rollen: Das Team arbeitet selbstbestimmt und ohne Projektleiter. Der Product Owner definiert und priorisiert die Anforderungen. Der Scrum Master sorgt für einen reibungslosen Ablauf.
Kanban Philosophie: Konstante Arbeitsauslastung kombiniert mit flexiblem Eingehen auf veränderte Anforderungen und Prioritäten. Im Zentrum steht das Kanban-Board. Darauf werden Teilaufgaben als Kärtchen in einer von drei Spalten platziert: „Zu tun“, „In Arbeit“ und „Erledigt“. Es dürfen nicht mehr als zwei Kärtchen pro Teammitglied in Arbeit sein. Bei Bedarf können Aufgaben, die bereits bearbeitet werden, zugunsten dringender Herausforderungen vorübergehend zurückgestellt werden.

Grafik eines Kanban-Boards
Design Thinking Philosophie: Nutzerorientiertes Entwickeln von Lösungen für komplexe Probleme in einem kreativen Innovationsprozess. Der Prozess besteht aus fünf Phasen: Nutzer verstehen (empathize), Problem definieren (define), Ideen finden (ideate), Prototyp entwickeln (prototype) und mit dem Nutzer prüfen (test). Der Prozess wird solange iterativ wiederholt, bis ein optimales Endprodukt vorliegt.
Lean Startup Philosophie: Möglichst früh ein funktionsfähiges Produkt (Minimum Viable Product, kurz: MVP) auf den Markt bringen, um schnell zu lernen. Die Entwicklung verläuft dabei zyklisch in Experimenten, die in möglichst kurzer Zeit durchgeführt werden. Ein Experiment besteht aus drei Phasen: Entwickeln (build), Messen (measure) und Auswerten (learn).

Welche Vorteile bietet Agilität?

Agiles Arbeiten bietet Unternehmen klare Vorteile, welche für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sind:

  • Schneller Start: Der Projektstart kann schnell erfolgen, weil nicht alle Details im Voraus festgelegt werden müssen.
  • Kostensparende Entwicklung: Unter Verwendung kurzer Arbeitszyklen und konstantem Feedback werden Verbesserungen in einem frühen Stadium umgesetzt. Das spart Zeit und Kosten.
  • Optimale Abstimmung auf Kundenbedürfnisse: Dank konstanter Kundenkommunikation entspricht das Endprodukt exakt den Bedürfnissen der Zielgruppe. Das sichert nicht nur den Markterfolg, sondern beugt auch der Entwicklung unnötiger Features vor.
  • Verlässliche Qualität: Das fortlaufende Testen von Zwischenergebnissen anhand klarer Kriterien sorgt dafür, dass Qualitätsmängel zuverlässig aufgedeckt und beseitigt werden.
  • Schnelle Ergebnisse: Da von Anfang an auf ein marktfähiges Endprodukt hin entwickelt wird, verkürzt sich die Time-to-Market deutlich. Das ist gerade im Zuge der Digitalisierung wichtig.
  • Flexibilität: Sich verändernde Kundenbedürfnisse, neue Wettbewerbsanforderungen und technologische Entwicklungen werden laufend berücksichtigt.
  • Kostensenkung: Agiles Projektmanagement hilft, die Kosten unter Kontrolle zu halten und sogar zu minimieren.
  • Motivierte Mitarbeitende: Die agile Organisation steigert die Motivation der Mitarbeitenden durch eine kooperative, freundschaftliche Arbeitskultur, gemeinsame Visionen und durch das Fördern von Selbstbestimmtheit und Kreativität.

Wo stehen deutsche Unternehmen?

Der Future Organization Report 2020 von Campana & Schott kommt zu dem Schluss, dass in vielen Unternehmen zwar agile Methoden angewandt werden (doing agile), das agile Mindset aber in den Köpfen noch nicht verankert ist (being agile). Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt die Studie „Kulturwandel in der digitalen Transformation messen und gestalten“ von Great Place to Work: Mehr als 60 Prozent der Mitarbeitenden stehen dem Thema Agilität kritisch gegenüber.

Detaillierte Daten liefert eine Umfrage von Kienbaum und StepStone, die 2020 bei deutschen Unternehmen durchgeführt wurde:

  • Knapp 40 Prozent der Firmen fühlen sich motiviert, agile Methoden einzusetzen.
  • Fast 60 Prozent der Fach- und Führungskräfte kennen mindestens eine agile Methode. Am bekanntesten sind Kanban und Scrum, gefolgt von Design Thinking.
  • 55 Prozent der befragten Unternehmen nutzen agile Methoden, wobei wiederum Scrum, Kanban und Design Thinking am häufigsten genannt werden.
  • Rund 70 Prozent der Mitarbeitenden in deutschen Unternehmen geben an, dass keine agilen Rollen (Agile Coach, Scrum Master, Product Owner) in ihrer Organisation existieren oder sie nichts davon wissen. Nur 10 Prozent arbeiten in einer der genannten agilen Rollen.
  • Fazit: Agile Methoden sind mehrheitlich bekannt, werden aber bisher nur selten genutzt.

Drei Beispiele für agile Unternehmen

Nachfolgend drei Beispiele für agile Unternehmen, welche die Praxis gut illustrieren.

Adidas

Adidas praktiziert eine agile Führungskultur, die auf drei Prinzipien basiert:

  • Kompetenzerhöhung: Jedes Team legt selbst fest, wie es Leistung bewertet.
  • Autonomes Lernen: Die Mitarbeitenden bilden sich laufend fort, wobei sie ihre Trainingsinhalte selbst auswählen.
  • Reflexion: In sprintbasierten Reflexionszyklen überprüfen sowohl Führungskräfte als auch Teammitglieder immer wieder ihre Haltung zum Thema Veränderung.

Otto

Auch der deutsche Versandhändler Otto hat die IT konsequent nach agilen Prinzipien ausgerichtet. Dazu wurde die vorhandene monolithische Systemlandschaft in virtuelle Blöcke aufgeteilt. Jeder dieser Blöcke wird von einem von 25 crossfunktionalen Teams betreut. Diese Teams arbeiten agil und marktorientiert. Das Resultat ist eine signifikante Temposteigerung.

sipgate

Das Düsseldorfer Unternehmen sipgate ist als „Team of Teams“ organisiert. Es arbeitet mit Scrum. Unter anderem ermutigt das Unternehmen neue Teammitglieder dazu, Fehler zu machen. Nur so lässt sich der Unternehmensphilosophie zufolge Veränderung erreichen. Außerdem wird auf klassische Abteilungsstrukturen verzichtet.

Wie Sie agiler werden

Wie gelingt die agile Transformation Ihres Unternehmens? Hier einige Inspirationen und Empfehlungen:

Agiles Arbeiten anpreisen

Wie jede Neuerung erfordert auch agiles Arbeiten zu Beginn viel Überzeugungsarbeit:

  • Machen Sie Werbung für Agilität, indem Sie Ihren Mitarbeitenden die Vorteile aufzeigen, beispielsweise unter Verweis auf andere Unternehmen.
  • Vermitteln Sie Wissen über agile Methoden, zum Beispiel durch Workshops und E-Learning-Angebote.
  • Motivieren Sie, indem Sie Lust auf agiles Arbeiten machen. Das gelingt besonders gut durch das Abhalten eines Beispiel-Sprints.
  • Suchen Sie Verbündete innerhalb Ihrer Organisation, welche als Multiplikatoren fungieren können.

Beginnen Sie immer mit dem Kunden

Wofür steht Ihr Unternehmen ein? Womit verdient es Geld? Was schätzt der Kunde besonders? Entwickeln Sie in Workshops klare, substanzielle Antworten auf diese Fragen. Formulieren Sie anschließend eine Mission für Ihr Unternehmen.

Diese Mission bildet die Grundlage für agiles Arbeiten. Denn nur wenn alle Teammitglieder ein gemeinsames, kundenbezogenes Ziel vor Augen haben, können sie autonom die richtigen Entscheidungen treffen.

Identifizieren Sie Quick Wins

Am besten fangen Sie möglichst schnell an, agil zu arbeiten. Dazu identifizieren Sie Projekte und Teams, mit denen Sie agiles Arbeiten erproben können. Im Idealfall handelt es sich um Vorhaben, bei denen agile Methoden einen raschen Erfolg versprechen.

Mit diesen Quick Wins überzeugen Sie Ihre Stakeholder von agilen Methoden und sammeln darüber hinaus wertvolle Praxiserfahrungen, die bei weiteren agilen Projekten weiterhelfen.

Veranstalten Sie regelmäßige Retrospektiven

Die Rückschau auf das Geleistete und die Reflexion der bisherigen Zusammenarbeit sind wichtig, um agiles Arbeiten in der Organisation zu verankern. Dies gibt Ihnen auch immer wieder Gelegenheit, Learnings mit anderen Teams zu teilen.

Entwickeln Sie Ihre agile Organisation

Eine agile Arbeitsweise kann nicht von der Führungsebene verordnet werden. Vielmehr muss sie schrittweise eingeführt werden: Analog dazu, wie ein Produkt durch agile Methoden entwickelt wird, treiben Sie auch die Transformation zum agilen Unternehmen iterativ voran.

Erreichen Sie mehr Agilität mit der ahd!

Sie möchten mehr Agilität für Ihr Unternehmen realisieren, insbesondere auf der technologischen Ebene? Dann sollten wir uns unterhalten. Die Experten der ahd unterstützen Ihre agile Projektarbeit durch modulare IT-Services und digitale Arbeitsplätze. Auch für die Entwicklung von agilen Softwareprodukten sind wir der richtige Ansprechpartner. Kontaktieren Sie uns jetzt für eine unverbindliche Erstberatung!

Vorderseite - Whitepaper Agiles Arbeiten

KOSTENLOSES WHITEPAPER

Agiles Arbeiten in der Praxis

Sie möchten noch genauer erfahren, wie Sie in Ihrem Unternehmen agil arbeiten können? Dann laden Sie sich unser Whitepaper „Agiles Arbeiten in der Praxis“ herunter.

Jetzt herunterladen