Benannt nach einer griechischen Schöpfungsgöttin soll das Megaprojekt GAIA-X die europäische Datensouveränität vorantreiben. Erfahren Sie, welche Vorteile die Europa-Cloud bietet und welche Herausforderungen auf dem Weg dahin zu bewältigen sind.

Was ist GAIA-X?

Bei GAIA-X handelt es sich um eine europäische Cloud-Initiative, die von Deutschland und Frankreich angestoßen wurde. Obwohl das Projekt erst im Herbst 2019 begann, haben sich ihm bereits über 200 Unternehmen angeschlossen, unter anderem die Telekom, Siemens, Bosch und die Fraunhofer Gesellschaft.

Für GAIA-X sollen dezentrale Infrastrukturdienste, speziell Cloud- und Edge-Instanzen, zu einem userfreundlichen System vereint werden. Beispielsweise könnten sich Unternehmen so gegenseitig Server-Space anbieten. Weiterhin sollen neue Technologien wie KI und Machine-Learning als Services aus der Cloud bezogen werden können.

Aktuell befindet sich GAIA-X in der Entwicklungsphase. Es existiert ein erstes Framework für die zukünftigen Standards, Policies und Schnittstellen der Europa-Cloud. Außerdem wurden mehr als 40 Use-Cases identifiziert, unter anderem aus den Bereichen Industrie 4.0, Energiewirtschaft und Mobilität.

Das Ziel von GAIA-X besteht darin, die europäische Datensouveränität sicherzustellen. Nach den Worten von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek soll ein sicherer Raum für die Datenspeicherung und –verarbeitung geschaffen werden. Auf diese Weise wäre Europa weniger abhängig von den wenigen großen amerikanischen und chinesischen Konzernen, die den Cloud-Markt aktuell dominieren.

Das Projekt versteht sich jedoch nicht als Konkurrenz zu den internationalen Hyperscalern. Vielmehr soll insbesondere für den europäischen Mittelstand eine größere Wahlfreiheit in Sachen Cloud-Dienstleister ermöglicht werden. Die amerikanischen Provider werden dafür als Infrastruktur-Dienstleister einbezogen.

3 Beispiele für Anwendungsfälle

GAIA-X soll eine Vielzahl von fortschrittlichen Anwendungen ermöglichen. Drei ausgesuchte Beispiele finden Sie hier.

1. Landwirtschaft

Agri-Gaia möchte ein AI-Ökosystem für die Landwirtschaft etablieren. Sensortechnik und intelligente Algorithmen sollen dabei helfen Nahrungsmittel zurückzuverfolgen, Pflanzen optimal zu versorgen und die Gesundheit von Tieren zu überwachen.

Der geplante Agdatahub würde es Landwirten ermöglichen, im großen Stil Produktionsdaten zu sammeln. Außerdem hätten sie online Zugriff auf Tools für die Analyse dieser Daten. Und sogar landwirtschaftliche Roboter könnten über die Plattform angesteuert werden.

2. Industrie 4.0

Kaum ein anderer Bereich bietet so viele Anwendungsfälle wie die Industrie 4.0. So könnte GAIA-X zum Informationsaustausch zwischen Unternehmen beitragen. Ein Beispiel: Ein Hersteller benötigt bestimmte Betriebsdaten von der Maschine eines Drittanbieters, um seine Produktion sicherer und effizienter zu gestalten. GAIA-X würde hier als neutrale Plattform für den Datenaustausch fungieren.

Aber auch in der Fertigung selbst bieten sich Einsatzmöglichkeiten. GAIA-X könnte die Ressourcen bereitstellen, um ein vernetztes digitales Shopfloor-Management zu ermöglichen. Kleinserien könnten so schneller und kostengünstiger als bisher produziert werden. Auch die optische Qualitätskontrolle ließe sich so automatisieren.

3. Gesundheitswesen

GAIA-X bietet auch großes Potenzial für das Gesundheitswesen. Ein Beispiel ist der Use-Case zu akutem Nierenversagen, einer weit verbreiteten Komplikation bei Krankenhausaufenthalten. Das Problem wird oft nicht früh genug erkannt, obwohl es behandelbar wäre. Hier könnte eine KI Abhilfe schaffen, die Patienteninformationen unterschiedlicher Labore und Krankenhäuser vergleicht und rechtzeitig Meldung macht. GAIA-X würde diese Datensammlung und -auswertung ermöglichen.

Diese Vorteile bietet GAIA-X

Eine europäische Cloud könnte Unternehmen eine Reihe von wichtigen Vorteilen bieten.

Diese Vorteile bietet GAIA-X

Digitale Souveränität

GAIA-X würde dazu beitragen, die Abhängigkeit Europas von den dominierenden amerikanischen und chinesischen Hyperscalern zu reduzieren. Das ist von existentieller Bedeutung, weil die Cloud die Grundlage der Digitalisierung bildet. Auf ihr sitzen die meisten anderen neuen Technologien wie Machine Learning oder Big Data auf.

Verbesserter Datenschutz

Weil die Rechenzentren der großen Cloud-Anbieter meist außerhalb Europas stehen, genügen sie oft nicht den hiesigen Datenschutzanforderungen. Dazu kommt, dass US-Behörden seit dem CLOUD Act teils ohne richterlichen Beschluss auf Daten von amerikanischen Cloud-Providern zugreifen dürfen, selbst wenn diese Daten sich in europäischen Rechenzentren befinden. Diese Datenschutz-Probleme könnten durch eine zentrale europäische Cloud behoben werden.

Europäische Standards

GAIA-X würde die Kooperation zwischen europäischen Unternehmen befördern. Dafür werden aktuell einheitliche Standards, Policies und Schnittstellen entwickelt, die einen branchen- und länderübergreifenden Datenaustausch vereinfachen sollen.

Diese Herausforderungen existieren

Wie jedes ambitionierte Großprojekt wird auch GAIA-X zuerst eine Reihe von Herausforderungen bewältigen müssen. Kritiker bemängeln die zögerliche Umsetzung. Insbesondere die Erstellung der sogenannten Federation Services, welche die technische Grundlage für das Projekt bilden, gehe zu langsam voran.

Außerdem wurde beanstandet, dass der Public Sector bisher zu wenig Engagement zeige. Es fehle an öffentlichen Aufträgen, damit das Projekt Fahrt aufnehmen könne.

Doch scheint so langsam Bewegung in das Megaprojekt zu kommen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat Mitte März einen Förderwettbewerb ausgeschrieben. Und einige Anbieter haben sogar schon GAIA-X-kompatible Angebote implementiert, basierend auf den Vorgaben des Sovereign-Cloud-Stack-Projekts (SCS).

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